Eine Pinselei

Peter Hacks wollte eine Lesung von Thomas Mann in München besuchen und fand sie ausverkauft. Er bezog an der Eingangstür Posten, und als der Dichter erschien, hielt er ihm das Couvert eines Briefes entgegen, das er für den Notfall eingesteckt hatte. Sie lassen mich nicht hinein, klagte er, beleidigt, wie er sich fühlte.

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Haltungen kann man nicht erläutern; Haltungen nimmt man ein
Peter Hacks

Ihre Majestät Menschheit!
Ihre Hoheiten nationale Kulturen!
Liebe Kollegen Philologen, Historiker, Kritiker, Regisseure, Schauspieler, Verleger, Buchillustratoren, Übersetzer, Journalisten, Schulmeister, Professoren, Studenten, Frauen, Väter und Söhne, kleine und große Kinder!

Gestatten Sie mir, Ihnen herzlichst zu der fast unvorstellbaren Tatsache zu gratulieren, dass in Ihren leider – oder zum Glück – nicht geschlossenen Reihen ein deutscher Dichter seinen 75. Geburtstag begeht, der immer noch tiefe Verehrung für alle eben erwähnten Berufe, Stände, soziale und Alterskate­gorien zu begründen vermag. Peter Hacks lässt uns Hoffnung hegen: auf Erfolge der Vernunft und der Kunst im Kampf gegen das herrschende Chaos von Ideologien, Bekenntnissen und Zivilisationen.

Im Munde dieses Dichters, also in seinem Kopf, bekommt deutsche Sprache ihre unvergleichliche goetheanische Schönheit und Vollkommenheit wieder, indem sie wunderliche Bilder gebiert, die uns Lebensfreude und echten Genuss schenken.
O Alkmene, Kathrinchen, Meta, Semiramis, Herakles, Seneca, Einstein, Armer Ritter, Margarete, Rosie, Helena, Fredegunde, Maria, Charlotte, Scipio, Ludwig von Bayern, Louis, Friedrich, Stalin, Hegel, Boucher, Goethe, Ascher, chinesischer Bischof, musikalisches Nashorn, Kasperle, Zeus, betrunkener Bär, weiser Uhu, Trigaios, Julchen Janke und alle – alle – alle!
Ihre Konflikte und Leidenschaften, ihre Anmut und ihr Reiz verleihen uns – ihren Übersetzern und Interpretatoren – das süße Recht auf unseren Anteil im Weltgeiste.
Und ihr gebt uns auch ein Stück Brot, manchmal sogar mit Butter geschmiert.

Herr Gott ist ja nicht faul.
Er schuftet Tag und Nacht
Zwar manchmal schafft Er Saul,
Doch gibt auch David Macht.

Die Welten werden da
So ziemlich unverwalten.
Doch ein gewisser H.
Hat Macht vom Gott erhalten.

(Ella Wengerowa in der Festschrift zum 75. Geburtstag von Peter Hacks „In den Trümmern ohne Gnade“, Eulenspiegel Verlag 2003)