Du bist doch kein Ausbeuter ...

Wie gewöhnlich hatte Brecht verabsäumt, sich um die urheberlichen Bewandtnisse des »Held der westlichen Welt« zu kümmern. Der Suhrkampverlag bemerkte, wie weit und wie hoch Brecht sich in das Unternehmen eingelassen hatte, und forderte für das Aufführungsrecht und das Recht an der von ihm vertretenen Laienübersetzung unverschämte 7,5 % der Tantième, welche ja bei den Theatern 10 % der Abendkasse beträgt.

Weiterlesen ...

In der Publikationsreihe »Hefte zur DDR-Geschichte« erschien bei »HELLE PANKE e.V als Heft 132 von Ronald Weber »Dramatische Antipoden - Peter Hacks, Heiner Müller und die DDR«

Zum vorliegenden Thema referierte der Autor 2013 im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Literatur und Gesellschaft“.

Als Hacks 22 war, trat er frohen Muts in der „Schwabinger Laterne“ auf und trug erste poetisch-satirische Stücke vor. Er hoffte damals (zum Beispiel) auf Liquidierung der Kriegsverbrecher, doch als er gegen Vater, Bruder und Schwägerin drauf wettete, verlor er krachend. Dass das Neue das Alte zu werden vorhatte, sah er also früh und beurteilte es nüchtern. Er traf eine Entscheidung, die zu verstehen sich viele noch heute quälen: Er emigrierte in die DDR.Hacks Laterne

Peter Hacks
 »EIN GESPRÄCH IM HAUSE STEIN ÜBER DEN ABWESENDEN HERRN VON GOETHE«
mit Anika Mauer
Eines der erfolgreichsten deutschen Theaterstücke des 20. Jahrhunderts läuft seit Februar in der Regie von Johanna Schall im Renaissance-Theater Berlin. Rezensionen erschienen u.a. auf Inforadio Berlin von Ute Büsing, in der Berliner Morgenpost von Georg Kasch, in der jungen Welt von Uwe Schwentzig und in Jungle World.

 

Bühne der Peter-Hacks-Gesellschaft
 - Fünf Jahre lang hat, mitten im Prenzlauer Berg, das kleine Theater der Peter-Hacks-Gesellschaft Lesungen, Buchvorstellungen, Vortrags-, Diskussions- und Kleinkunstabende veranstaltet.

Die »Bühne der Peter-Hacks-Gesellschaft« führte den Namen ihrer Intendantin, der Schauspielerin und Regisseurin Cox Habbema. Sie hat früher Hacks gespielt und inszeniert, sie und ihr damaliger Mann, der Schauspieler Eberhard Esche, waren eng mit Hacks befreundet. Cox Habbema unterstützte die Bühne und prägte die Programmgestaltung mit.

Uns erreicht die Nachricht, daß Cox Habbema am 18.4.2016 gestorben ist.

In einigen Zeitungen ist der Nachruf auf Cox mit einem Bild von ihr illustriert, da sitzt sie in einem Sessel, der den Besuchern unseres Theaters bekannt vorkommt. Einer von diesen Sesseln, es waren vier, stand oft auf der Bühne; Vortragende, Gesprächspartner, mancher Schauspieler saßen darin. Und Cox hatte diese Sessel, ebenso wie das Theatergestühl aus blausamtenen Sitzen, durch pfiffig genutzte Beziehungen beschafft. Stühle und Sessel standen einst in der Möwe, dem bekannten DDR-Künstlerclub, später auf einem Speicher, aus dem Cox sie erlöste.
Cox Habbema hat sich den Aufbau und das Programm der „Bühne der Peter-Hacks-Gesellschaft“ zur lustvollen Aufgabe gemacht. Es sollte, fand sie, einen Ort geben, an dem ohne Nostalgie des DDR-Theaters und seiner Mimen, des Dichters Peter Hacks und manches andern Schriftstellers gedacht werden und Bekanntes und Vergessenes zur Aufführung gebracht werden konnte. Ihr Versuch fand viele Freunde und Unterstützer, und alle fanden, dass die Bühne ihren Namen tragen sollte: Habbema. Und ihr ist auch aller Erfolg zu danken: Sie spielte, inszenierte, warb und plante. Auch die dringend erforderlichen materiellen Mittel kamen fast durchweg von ihr. Wegen gesundheitlicher Probleme blieb die ideelle Unterstützung allmählich aus, und schließlich auch die materielle ... Sie war traurig, als nach so ziemlich fünf Jahren Schluss war mit dem heiteren und ernsten Spiel.

Nun sind wir traurig, dass sie nicht mehr unter uns ist, sondern im Schauspielerhimmel, den Eberhard Esche einst in seinen Grabreden tröstlich herbeiphantasiert hatte. Mit Esche war sie verheiratet, als sie noch in der DDR lebte, und hatte mit ihm schöne Erfolge im Film wie auf der Bühne. In den Nachrufen wird davon erzählt, ein jeder erinnert sich an Filme, Stücke, Inszenierungen ... Vor allem durch letztere ist ihr Name auch mit Hacks verbunden, sie führte Regie bei „Senecas Tod“ und „Musen“, und sie spielte im „Jahrmarktsfest zu Plundersweilern“. Ein Blick aus dem Schauspielerhimmel offenbart, dass es nun auf der Erde weder das „Habbema“ noch auch Cox Habbema mehr gibt.
„Freilich, wenn die Sonne fort ist, kommt die Kälte aus dem Wald hervor, so wie, wenn Cox verschwunden ist, die ganze Kälte wieder aus der Welt gekrochen kommt.“ (Peter Hacks, 22.6.1973)

»Analogiespiele« untersucht das Dramenwerk des DDR-Dramatikers Peter Hacks von 1960 bis 2002 entlang der Zentralbegriffe ‚Klassik‘ und ‚Romantik‘.
 Hacks entwickelte ab 1960 die Ästhetik der ‚sozialistischen Klassik‘, eine in seinen Augen zeitgemäße Aktualisierung der Formensprache und Kunsttheorie besonders der Weimarer Klassik auf Basis eines spezifischen Verständnisses von Sozialismus, begriffen als Spielart absolutistischer Herrschaft. Ab 1970 setzte er sich als Reaktion auf die verstärkte Rezeption romantischer AutorInnen in der DDR mit der Romantik auseinander, die er als überhistorisches ästhetisches und politisches Phänomen auffasste, das er entschieden ablehnte.

Rezension von Kai Köhler in der jungen Welt vom 21.3.2016