Eine Pinselei

Peter Hacks wollte eine Lesung von Thomas Mann in München besuchen und fand sie ausverkauft. Er bezog an der Eingangstür Posten, und als der Dichter erschien, hielt er ihm das Couvert eines Briefes entgegen, das er für den Notfall eingesteckt hatte. Sie lassen mich nicht hinein, klagte er, beleidigt, wie er sich fühlte.

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Bühne der Peter-Hacks-Gesellschaft
 - Fünf Jahre lang hat, mitten im Prenzlauer Berg, das kleine Theater der Peter-Hacks-Gesellschaft Lesungen, Buchvorstellungen, Vortrags-, Diskussions- und Kleinkunstabende veranstaltet.

Die »Bühne der Peter-Hacks-Gesellschaft« führte den Namen ihrer Intendantin, der Schauspielerin und Regisseurin Cox Habbema. Sie hat früher Hacks gespielt und inszeniert, sie und ihr damaliger Mann, der Schauspieler Eberhard Esche, waren eng mit Hacks befreundet. Cox Habbema unterstützte die Bühne und prägte die Programmgestaltung mit.

Uns erreicht die Nachricht, daß Cox Habbema am 18.4.2016 gestorben ist.

In einigen Zeitungen ist der Nachruf auf Cox mit einem Bild von ihr illustriert, da sitzt sie in einem Sessel, der den Besuchern unseres Theaters bekannt vorkommt. Einer von diesen Sesseln, es waren vier, stand oft auf der Bühne; Vortragende, Gesprächspartner, mancher Schauspieler saßen darin. Und Cox hatte diese Sessel, ebenso wie das Theatergestühl aus blausamtenen Sitzen, durch pfiffig genutzte Beziehungen beschafft. Stühle und Sessel standen einst in der Möwe, dem bekannten DDR-Künstlerclub, später auf einem Speicher, aus dem Cox sie erlöste.
Cox Habbema hat sich den Aufbau und das Programm der „Bühne der Peter-Hacks-Gesellschaft“ zur lustvollen Aufgabe gemacht. Es sollte, fand sie, einen Ort geben, an dem ohne Nostalgie des DDR-Theaters und seiner Mimen, des Dichters Peter Hacks und manches andern Schriftstellers gedacht werden und Bekanntes und Vergessenes zur Aufführung gebracht werden konnte. Ihr Versuch fand viele Freunde und Unterstützer, und alle fanden, dass die Bühne ihren Namen tragen sollte: Habbema. Und ihr ist auch aller Erfolg zu danken: Sie spielte, inszenierte, warb und plante. Auch die dringend erforderlichen materiellen Mittel kamen fast durchweg von ihr. Wegen gesundheitlicher Probleme blieb die ideelle Unterstützung allmählich aus, und schließlich auch die materielle ... Sie war traurig, als nach so ziemlich fünf Jahren Schluss war mit dem heiteren und ernsten Spiel.

Nun sind wir traurig, dass sie nicht mehr unter uns ist, sondern im Schauspielerhimmel, den Eberhard Esche einst in seinen Grabreden tröstlich herbeiphantasiert hatte. Mit Esche war sie verheiratet, als sie noch in der DDR lebte, und hatte mit ihm schöne Erfolge im Film wie auf der Bühne. In den Nachrufen wird davon erzählt, ein jeder erinnert sich an Filme, Stücke, Inszenierungen ... Vor allem durch letztere ist ihr Name auch mit Hacks verbunden, sie führte Regie bei „Senecas Tod“ und „Musen“, und sie spielte im „Jahrmarktsfest zu Plundersweilern“. Ein Blick aus dem Schauspielerhimmel offenbart, dass es nun auf der Erde weder das „Habbema“ noch auch Cox Habbema mehr gibt.
„Freilich, wenn die Sonne fort ist, kommt die Kälte aus dem Wald hervor, so wie, wenn Cox verschwunden ist, die ganze Kälte wieder aus der Welt gekrochen kommt.“ (Peter Hacks, 22.6.1973)

»Analogiespiele« untersucht das Dramenwerk des DDR-Dramatikers Peter Hacks von 1960 bis 2002 entlang der Zentralbegriffe ‚Klassik‘ und ‚Romantik‘.
 Hacks entwickelte ab 1960 die Ästhetik der ‚sozialistischen Klassik‘, eine in seinen Augen zeitgemäße Aktualisierung der Formensprache und Kunsttheorie besonders der Weimarer Klassik auf Basis eines spezifischen Verständnisses von Sozialismus, begriffen als Spielart absolutistischer Herrschaft. Ab 1970 setzte er sich als Reaktion auf die verstärkte Rezeption romantischer AutorInnen in der DDR mit der Romantik auseinander, die er als überhistorisches ästhetisches und politisches Phänomen auffasste, das er entschieden ablehnte.

Rezension von Kai Köhler in der jungen Welt vom 21.3.2016

»Es gibt in der Republik nur zwei Dramatiker, und die sind verfeindet.«
(Peter Hacks)

Die Peter-Hacks-Gesellschaft hat erfreulicherweise Anlass, ein wichtiges Ereignis aus der Wissenschaftslandschaft mitzuteilen. Von der Philosophischen Fakultät der Georg-August-Universität Göttingen ist am 15. Juli 2014 Ronald Weber mit der im folgenden näher beschriebenen Arbeit zum Dr. phil. promoviert worden:

Das antagonistische Drama des Sozialismus
Peter Hacks, Heiner Müller und der Streit im literarischen Feld der DDR


Die Dissertation ist unter dem Titel »Peter Hacks, Heiner Müller und das antagonistische Drama des Sozialismus«. Ein Streit im literarischen Feld der DDR im Verlag DE GRUYTER, ISBN 978-3-11-043917-5, 99,95 € erschienen.

Rezension von Kai Köhler in der jungen Welt vom 21.3.2016

Die App für Tablet-Computer, entwickelt vom Dresdner Start-up-Verlag Daktylos Media, basiert auf der Geschichte »Meta Morfoß«, einer der wohl witzigsten und fantastischsten Erzählungen der deutschen Kinderliteratur, geschrieben von Peter Hacks, einem der bekanntesten DDR-Schriftsteller. Die App enthält zusätzlich die russische Version des Textes von Hacks-Übersetzerin Ella Vengerova sowie die englische, die die Lyrikerin Uljana Wolf extra für das Projekt angefertigt hat.

Goetter»Klassiker sind Menschen, die vom Glück der Geburt und der geschichtlichen Lage gesegnet, mehr zu Wege brachten als die Menschen neben ihnen. Sie hatten es durch ihre Vorgezogenheit nicht leichter als wir, sicher schwerer. Aber wir rühmen sie nicht um ihrer Tugend willen, sondern um ihres Glücks. Sie nahmen in hohem Grade vorweg, was der Mensch sein kann. Sie haben die Götter arbeitslos gemacht. Sie sind heilig: in ihnen ehren wir den Menschen. Die Genies sind der Beweis der Hoffnung.«
Peter Hacks, Über das Revidieren von Klassikern