| 3. wissenschaftliche Hacks-Tagung – Eine Auswertung |
Am 6. November fand im Berliner Magnus-Haus die dritte wissenschaftliche Tagung der Peter-Hacks-Gesellschaft statt: »Salpeter im Haus. Peter Hacks und die Romantik«. Im März 2011 erscheint im Aurora Verlag passend dazu der Vortragsband mit allen Beiträgen der Referenten.
Referenten und Themen waren: Dr. Kai Köhler: Kleist bei Hacks Bernadette Grubner: So jagen Schatten Schatten – Romantik in »Rosie träumt« Dr. Detlef Kannapin: Warum hat Peter Hacks Carl Schmitts »Politische Romantik« ignoriert? Prof. Theodore Ziolkowski: Seneca als Romantiker – Peter Hacks' Auffassung der Romantik Ronald Weber: Die »allerheutigsten Kriege« – Peter Hacks im literarischen Feld der DDR 1976/77 Dr. Nikolas Immer: Literaturgeschichte als Provokation – Zu Peter Hacks’ kritischer Abrechnung mit der Romantik Dietmar Dath: Growing Nervous: Lord Byrons antiromantische Romantik Die Vormittagssitzung (Dr. Kai Köhler, Bernadette Grubner, Dr. Detlef Kannapin) wurde von Felix Bartels/Berlin geleitet und moderiert, die erste Nachmittagssitzung (Prof. Theodore Ziolkowski, Ronald Weber) von Dr. Klaus Rek/Halle, die zweite Nachmittagssitzung (Dr. Thomas Immer, Dietmar Dath) von Philipp Steglich/Berlin. Die abschließende Diskussionsrunde mit allen Referenten leitete Dr. Gunther Nickel/Mainz. Leider musste ein angekündigter Vortrag, der von Frau Dr. Leonore Krenzlin, entfallen, wird aber zusammen mit allen anderen publiziert: im Tagungsband, der im März im Aurora Verlag erscheinen wird. Köhlers Vortrag lieferte ebenso wie weitere Referate, insbesondere der diese Frage thematisierende Vortrag von Dietmar Dath den Beleg, dass die Beurteilung einzelner Autoren und Werke, die gemeinhin der Romantik zugeschlagen werden oder deren Zuordnung zur Romantik eben gerade strittig ist, bei Hacks aus historischen, theoretischen, argumentativ-pragmatischen Gründen durchaus wechselt. Es ist die Romantik, die er befehdet, und in einzelnen Romantikern weniger diese selbst als zeitgenössische Schriftstellerkollegen wie Franz Fühmann oder Heiner Müller. So kamen die Referenten in Ihren Ausführungen bzw. in der Diskussion immer wieder auf einen Kernpunkt, nämlich die schon früh allmählich sich bei Hacks herausbildende Überzeugung, unter Romantik sei nicht allein eine literarisch-ästhetisch-philosophische Strömung, womöglich innerhalb des von der Geisteswissenschaft definierten Zeitraums, zu verstehen, sondern eine geistig wie politisch geprägte Haltung des inhaltslos Protestlerischen, des Verwerfens fortschrittlicher Traditionen, des zur Beliebigkeit tendierenden pluralistischen Denkens, der Formzerstörung – philosophisch gesehen eine unwissenschaftlich-geschichtspessimistische, ästhetisch gesehen eine naturalistische Auffassung also, der zufolge die Kunst die vermeintliche Undurchschaubarkeit, Unmenschlichkeit und Unveränderbarkeit der Weltverhältnisse abzubilden habe. Der Erfolg der Tagung zeigte sich im starken Zuspruch der Teilnehmer, und er spiegelt sich auch ein wenig in ersten Presseberichten: Appell an die bessere Möglichkeit (Berliner Zeitung vom 8.11.2010) Sehnsucht nach Klarheit (Neues Deutschland vom 10.11.2010) Felix Bartels, selbst Teilnehmer, gab uns die folgende launige Zusammenfassung: So eine Tagung ist immer auch ein bißchen ein Vanity Fair. Man redet nicht nur, weil man was zu sagen hat, man will – und das ist ganz natürlich – sich auch ein bißchen zeigen, auch ein wenig Wirkung anrichten. Freilich: Nicht jeder muß, das zu tun, in der ersten Reihe sitzen und mit weinerlicher Stimme unzulängliches Zeug über Wolfgang Harich erzählen. Die dritte Peter-Hacks-Tagung, die sich in dem Verhältnis von Peter Hacks zur Romantik ein Thema gegeben hatte, ließ, soweit es einige ihrer Redner betrifft, vor allem etwas über das Verhältnis der Romantik zu Peter Hacks erkennen. Wer die Veranstaltung tadeln will, könnte hierin seinen Ansatz finden. Nicht alle Vortragenden konnten sich dazu durchringen, neben der Kritik der Hacksschen Theorie auch deren Leistung hervorzuheben. Dagegen steht jedoch das wissenschaftliche Niveau der Tagungsvorträge, unter denen, anders als die Jahre zuvor, kein Ausfall war. Das Publikum sah sieben sehr gute Vorträge. Bemerkenswert ist, daß diesmal niemand auf dem Podium saß, der auch vor 20 Jahren schon zu Hacks publiziert hat. Das ist ein gutes Zeichen und riecht fast ein bißchen nach Nachwuchs. Ich will nicht verbergen, daß Bernadette Grubners Vortrag zu „Rosie träumt“ mich besonders überzeugt hat: als in sich abgeschlossene, luzide Darstellung, die zugleich das bislang zu diesem Stück Erarbeitete aufnahm wie auch dessen Deutung überzeugend weiterentwickelte. Über Dietmar Dath mag ich nicht breit werden. Wissen Sie, was Peter Hacks über den Romantiker Jahn geschrieben hat? : „Es gibt kaum eine geschichtliche Gestalt, an der alles abstößt. Irgendeinen menschlichen Zug hat ja sonst jeder, nur eben Jahn nicht. Wer so denkt wie Jahn, muß nicht auch noch sprechen wie Jahn, wer so spricht, muß sich nicht auch noch so aufführen, wer sich so aufführt, muß nicht auch noch so aussehn.“ Dasselbe ließe sich nun – mutatis mutandis – auch von Dietmar Dath sagen, und mit dem zu Ändernden meine ich genauer: Machense ne Klammer drum und setzense mal minus Eins davor. Felix Bartels, 8. November 2010 |
Am 6. November fand im Berliner Magnus-Haus die dritte wissenschaftliche Tagung der Peter-Hacks-Gesellschaft statt: »Salpeter im Haus. Peter Hacks und die Romantik«. Im März 2011 erscheint im Aurora Verlag passend dazu der 
