Hacks´ Witz ist immer auch Waffe.
Friedrich Dieckmann
Zum 80. Geburtstag von Wolfgang Kohlhaase – Lesung »INGE, APRIL UND MAI«
Am 13. März wurde der bekannte Schriftsteller und Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase 80 Jahre alt und kurz darauf von der Deutschen Filmakademie für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Auch die Peter-Hacks-Gesellschaft wollte Kohlhaase ehren, zumal er mit Hacks befreundet war, tätigen Anteil an den Sitzungen der Hacks-Arbeitsgruppen in der Akademie hatte und auch einen Beitrag für die Hacks-Festschrift von 2003 verfasst hat.
Eingeladen wurde für den 11.5. ins »Habbema«, dort trug der Schauspieler Thomas Keck eine der Erzählungen aus Kohlhaases Buch »Silvester mit Balzac« vor. Man kann nicht sagen, dass der Band oder einzelne der darin enthaltenen Erzählungen unbekannt oder, wie das Modewort lautet, vergessen, gar zu Unrecht vergessen wären. Manchem Kenner gelten sie als ausgesprochener Geheimtipp. Freilich: Kohlhaases Erzählkunst ist bekannt und wird allenthalben gerühmt – es ist jedoch meist die des Drehbuchschreibers. Wie wenig die sich im Film wirklich entfalten kann, beweisen die leider nicht gar so reichlich vorliegenden Prosatexte, und wie sehr sie sich entfalten können sollte, war Thema eines kleinen Nachgesprächs am »Habbema«-Tresen. »Inge, April und Mai«, eine wie beiläufig erzählte Pubertätsgeschichte im Epochenumbruch von 1945, sorgfältig und genau komponiert, von Thomas Keck dramaturgisch hervorragend gearbeitet und vorgetragen, versetzte das Publikum in gespannte Aufmerksamkeit. Der begeisterte Schlussapplaus für Vortrag und Autor, auch die überraschte Rührung Wolfgang Kohlaases selbst bewiesen, welche Wirkungsmacht diesem Erzähler gegeben ist.