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05 Jan 2016 10:52 #17 von Grandt
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Nun müssen wir aber auf den Fafner kommen, im Hacks-Forum... Der Geist des Fafner-Dramas wird – zugegeben - gespeist aus den Geschehnissen der Entstehungszeit des Stücks (und diesen Punkt haben wir noch nicht zu fassen gekriegt). Zweitens wird er gefüttert mit der Zeit um 1900, den „Anfängen“ des bürgerlichen Rechts (der Prolog), und drittens - und möglicherweise nicht letztens – aus der philosophischen Welt des Richard Wagners. (Entweder taugt der Wagner hier als Ideal oder er wird vorgeführt). Dieser Geist zündet seine Nebelkerzen, aber der Nebel will gelichtet sein. Das Gespräch hätte dazu beigetragen?

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04 Jan 2016 17:20 #14 von Johannes
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Naja, das ist ja Teil des Problems, dass zum Beispiel ich, und ich denk, manch andere auch, zu sehr drin bin und mich viel zu sehr ärgere über Zaudereien und Beschwichtigungen des Modrow und noch wünschte, ihn und seinesgleichen etwas deutlicher und linker festgelegt, regelrecht nach links getrieben zu kriegen. Deswegen fiele mir nie ein, dem Modrow Hacks' Couplets auf ihn vorzuhalten. Sondern immer eher im Gestus: "Aber Genosse, das müsste doch klar sein, das müsstest doch du mit deiner Verantwortung und Erfahrung (und Ausbildung bei Alfred Neumann, mit der Modrow auf der Bühne auch noch angibt) und allem klarer formuliert kriegen, bitte." Und es ist irgendwie auch "nicht alles schlecht", was Modrow sagt. Aber eben doch insgesamt so ein achselzuckendes "Die bösen Weltmächte, und was kann man schon machen?" und zu wenig vom Funken "Aber wir hatten was Eigenes in der DDR, das gälts herauszustellen heut."

Ach, Schwierig!

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29 Dez 2015 18:50 #12 von Grandt
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Wie die DDR unter die Räder kam, kann man (und ungefähr dreizehn Jahre vor den "Ereignissen") im Prexaspes nachlesen. Dieser Gefahr sei jede ausgleichende Staatsmacht ausgesetzt.
Hat man dem Modrow auch seine zwei Couplets vorgelesen?

Modrow, Gott
Ich bin, weiß Gott, ein wohlgesinnter Greis.
Ich weiß, versetzte Gott, ich weiß,ich weiß.

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29 Dez 2015 12:56 #11 von Johannes
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Ja, also Modrow hat wirklich nicht wie einer geredet, der die Verse von Hacks:

"Die Sowjetmacht, sie schenkte uns das Leben,
sie hat uns auch den Todesstoß gegeben."


sonderlich verstanden hätte. Leben schenken macht ja einer für wen anderes, nicht für ein Nichts. Und schon beim Zitzenreichen ist die Diskussion und unterschiedliche Erfahrung groß, wie viel davon nötig war und ist, von Tier zu Mensch zu Staatenwelt. Vollends Todesstöße versetzen Leute andern, womöglich schwachen Leuten, meinethalb Kindsmörder Kindern – nur einem bald 41 Jahre alt gewordenen Kind hätte man wirklich ein Mindestmaß an Dignität und Eigenständigkeit zubilligen können. Davon in Modrows Rede nichts. Das war auch für mich noch mal ein Erlebnis, wie sehr er sich an die Rockschöße einer durch NeuRussland vertretenen Großmacht heftete und Eigenständigkeit und Eigenverantwortung (nicht im Sinne einer Schuld, sondern im Sinne eines Selbstbewusstseins als "nationale Sektion im internationalen Klassenkampf") ausblendete. Klingt jetzt hart und selbstgerecht vom hinterher Schlaueren – nur lebt Modrow ja auch schon 25 Jahre unterm BRD-Fuchtel, und ein paar andere Sätze als seine, nuja, Behelfskonstruktionen von 1990 stünden ihm schon an.

Modrow hat auch überbetont: "Wir hatten hier ja keine Revolution!" – das ist halbe Wahrheit und dadurch ganze Lüge. Es gab einen revolutionären Prozess, der von Leuten getragen werden musste. Richtig: die politische Vorbedingung für die Entwicklung der SBZ/DDR, der Sturz der Bourgeoisie, ward nicht von den Ossis allein vollbracht. Falsch: Die Ossis haben nur gemacht, was Moskau befahl. Richtig: Die Ossis haben mit Hilfe des Bruderstaats eine eigenständige, den besonders komplizierten nationalen Bedingungen entsprechende Entwicklung der antifaschistischen Demokratie und des Aufbaus des Sozialismus hingelegt, die per kalter Befehlsausführung aus Moskau nicht möglich gewesen wäre, sondern die örtlicher Initiative bedurfte. Mit Hacks vs Enzensberger, dass im Osten nicht eine Straßenbahn fahren würde, ohne dass Arbeiter es gewährleisteten. Also das ist einfach die Rolle der Kommunisten und zahlreicher Sozialdemokraten und der demokratischen Volksmassen in Deutschland nach 1945, die da ganz schief ausgeblendet oder maximal gschamig angedeutet wurde.

Aber ich würde schon auch sagen, das Fafner-Stück ruft ZUGLEICH mit der Kritik der privaten Eigentumsform überhaupt und allgemein auch die KONKRETE Situation nach 1990 auf, die Schachereien um Grundbucheinträge und die Bodenspekulationsorgien diverser Alteigentümer. Schon das Allgemeine, Eigentum, am Besonderen, Häuslenutzer in DDR nach 1990.

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28 Dez 2015 22:19 #10 von Grandt
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Das Stück hat mit der Rückübertragung des Volkseigentums auf private Eigentümer doch nichts zu schaffen. Ich lese es als Angriff auf die Besitzverhältnisse in der entwickelteren Gesellschaft. Es ist eine Komödie auf die Posse, die das bürgerliche Recht Eigentumsrecht nennt. Die Fafner-Riesen des bürgerlichen Rechts seien Mäuse. (Große Drachentöter-Eigenschaften seien nicht erforderlich.) - Sagte die Teilnehmerin aus Toronto auf der diesjährigen Hacks-Tagung, die Hackssche Kunst beträfe die Theaterbesucher in dieser Stadt nicht? Oder die Theaterschaffenden können sie nicht lesen?

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18 Dez 2015 10:58 #9 von Rosny
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Ach, sie haben auch über die Enteignungen zwischen 45 und 49 gesprochen, für die allem Anschein nach damals wie heute die Sowjets alleine in Verantwortung genommen wurden. Deutsche Kommunisten gabs - das auch damals wie heute - offenbar keine ...

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