Topic-icon Zum Vortrag von Leonore Krenzlin

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22 Sep 2020 11:37 #104 von Becker
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Wir können Frau Krenzlin wirklich beruhigen: Hacks liefert die „sittliche Nachricht“ stets nach allen Regeln der Kunst. „Der Bär auf dem Försterball“ macht da keine Ausnahme. Die Hacksschen Fabeln gehen oft weit über das gewohnte Maß hinaus. Auch in den „kleineren Künsten“, (die „formalen Beschränkungen unterliegen“), liefert der Dichter, was es bisher so gar nicht gegeben hat. Erstaunlich, wie schwer sich die Erwachsenen mit einigen Kinderstücken tun. Erstaunlich, wie bombig sie bei den Kindern ankommen. (Kinder sind einmal die „eigentlich poetischen Menschen“…) Aber die Frage, warum der Bär sprechen kann und sich menschlich verhält, ist im 21. Jahrhundert unzulässig. Da geht Krenzlin den „westdeutschen Förstern“ auf den Leim. Die werfen diese Frage immer auf, anstatt sie zu beantworten. Und das sagt bereits alles. - Im (westdeutschen) Schulunterricht wurde das Stück verwendet, um die menschenverachtende Doktrin zu vermitteln: Kunst hat keine Inhalte, gemeint ist, was Du drin siehst. Die Tierfabel hat (beispielsweise) den Vorzug, daß man den Kindern die Fehler der Erwachsenen vorführen kann, ohne die Autorität der Eltern zu unterlaufen. Wenn der Klappentext des Buches Unterricht geben soll, würde man ungefähr vorschlagen: „Der Bär will zum Maskenfest. Aber er verfehlt sein Ziel. Denn Zufälle gibts, die gibts gar nicht! Er ist gerade nochmal davongekommen, der Bär. Beinahe hätte er sein Leben lassen müssen. Die Geschichte ist also recht ernst. Doch sehr lustig ist die Geschichte eben auch. Komischerweise.“ - Wenn die Kinder den Bären nicht bestöhnen, dann wird der Kunstunterricht keinen Pfifferling wert gewesen sein. - Aber wie hätte der Bär denn sehen sollen! Auf jedem Maskenfest toben vierzig Räuber. Und nehmen wir nicht alle immer nur die Leute wahr, von denen wir glauben, sie seien mit uns im Bunde, bis...
Peter Grandt, Chemnitz

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