Ermutigung

Hacks’ Bühnenlaufbahn begann sehr glücklich mit der Uraufführung des Columbusschauspiels »Eröffnung des indischen Zeitalters« 1954 an den Münchner Kammerspielen. Nachdem er sich oft hatte verbeugen dürfen, stürzte Erich Kästner, dem er nicht vorgestellt war, auf ihn zu und schüttelte seine Hand.

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Ist denn die Kunst wirklich nur dazu da, die verdammten albernen, vorübergehenden Peinlichkeiten einer Zeit vorzuführen oder ist sie nicht vielleicht dazu da, ausgehend von dem Material, das die Zeit anbietet, Lösungen zu finden und die Möglichkeiten einer Zeit zu untersuchen im Hinblick auf die Möglichkeiten, die die Menschheit als solche hat?
Peter Hacks

von Dr. Kai Köhler (Berlin)

10.15 Uhr

Hacks fasste die Konflikte in der späten DDR mit dem Gegensatz zwischen Vernunftstaat und romantischer Fronde. Nach 1989 gab er das Muster nicht auf, sondern spitzte seine Romantikkritik sogar noch zu. Doch während die DDR, trotz mancher Nickligkeiten im Detail, für historischen Fortschritt stand, fand sich Hacks nun in einem Staat, den er ablehnte. Er begriff die vergrößerte Bundesrepublik als Bestandteil eines geschichtlich überlebten, wenngleich noch zerstörerisch wirksamen Imperialismus.

Der Vortrag soll klären, ob und in welcher Weise die veränderte Lage Hacks' Denken über den Staat beeinflusste, z.B. ob und wie er Momente des Rebellischen integriert. Besondere Aufmerksamkeit gilt dem wachsenden Gewicht der Außenpolitik, das sich mit „Liebkind im Vogelnest“ und „Jona“ bereits im letzten DDR-Jahrzehnt abzeichnet und später in den Stücken der Russentrilogie zeigen lässt. Ganz von der Abwehr des Imperialismus sind dann Hacks‘ letztes Drama „Der Bischof von China“ sowie das Dramolett „Phraates“ bestimmt.