Eine Pinselei

Peter Hacks wollte eine Lesung von Thomas Mann in München besuchen und fand sie ausverkauft. Er bezog an der Eingangstür Posten, und als der Dichter erschien, hielt er ihm das Couvert eines Briefes entgegen, das er für den Notfall eingesteckt hatte. Sie lassen mich nicht hinein, klagte er, beleidigt, wie er sich fühlte.

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Hacks gehört nicht zu den Schriftstellern, die Gruppen bilden. Er steht zu seinen Freunden und Ansichten. Wenn beide sich sehr voneinander entfernen, bleibt er bei seinen Ansichten.
Wolfgang Kohlhaase

von Dr. Detlef Kannapin (Berlin)

16.15 Uhr

Das Dramolett „Der Parteitag“ ist eines der allerletzten Werke von Peter Hacks und gilt zu großen Teilen als misslungen. Vor allem ist der Dramatiker seiner eigenen Logik untreu geworden, Gegenwart und Politik niemals als Gegenwarts- und Politikstück abzuhandeln. Dennoch gibt es natürlich triftige Gründe, weshalb Hacks diese formvernachlässigende Unmittelbarkeit gewählt hat. Sie liegen, wie immer, in der Zeit und im Personal. Normalerweise findet der Weltgeist auch in finsteren Zeiten Persönlichkeiten; bleiben die aus, können nur noch exekutive Handstreiche helfen. Aber durch wen? Die Hoffnung, mittels eines weiblichen Shdanow das Rad der Geschichte wieder ins Fortschrittsgleis zu bringen, ist vergeblich.

Der Beitrag analysiert neben dem Zeitbezug des Stückes auch ein politisch-historisches Wunschbild von Hacks am Ende seines Lebens, an dem die fröhliche Resignation in ohnmächtige umgeschlagen zu sein scheint.