Die Julklapp-Organisation

Die Golden Sixties der DDR, in denen die Wirtschaft gedieh, die Kultur blühte und die Parties rauschten, sind in Hacks' Erinnerung verkörpert in Gestalt des Julklappkränzchens. Die hauptsächlichen Cadres des Kränzchens waren vier Ehepaare, Hacks und Wiede, Manfred Krug und seine Frau Ottilie, Guy de Chambure und die Schauspielerin Christine Gloger vom Berliner Ensemble und die Nichtdrehbuchautoren Heinz Kahlau und Gisela Steineckert; die letztern lebten von Drehbüchern, welche die Defa regelmäßig ankaufte, aber niemals verfilmte.

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Wolfgang Kohlhaase (Quelle: Eulenspiegel Verlag)Er gehörte zu den profiliertesten Filmschaffenden der DDR und zählt zu den bedeutendsten Autoren des deutschen Films – der Drehbuchautor, Regisseur und Schriftsteller Wolfgang Kohlhaase. Nun ist er im Alter von 91 Jahren gestorben.

 

Berlin, 05.10.2022.

Aus Anlass des 75. Geburtstages von Peter Hacks schrieb Wolfgang Kohlhaase 2003:

Wolfgang Kohlhaase
über Kohlhaase und Hacks

„Wir bereden den Gang dieses Sommers, und der Gang des Sommers bringt uns auf die Politik, die vor oder nach der Wahl von einer Minderheit betrieben und von der Minderheit der Minderheit bestimmt wird. Der Sozialismus, der uns dann immer noch einfällt, war eine ausgedachte Ordnung und konnte sich nicht darauf verlassen, dass das Geld die Dinge regelt. Er hätte jenes öffentliche Bewusstsein wirklich gebraucht, nach dem seine praktizierenden Politiker riefen, ohne dass sie es sich als Debatte, als Prozess, als Widerspruch vorstellen konnten. Sie wollten auch von den Nachrichten, die in der Kunst stecken, nur die angenehmen. Brechts morgendliche Lust auf die unbequeme Frage haben sie nicht geteilt.

Warum gescheitert ist, was nach Hacks eine deutsche Erfindung in russischer Bauart war, darüber wird man leicht uneins. Wer kennt die besseren Gründe? Wer hatte welchen Teil daran?

Es folge, heißt es, eine ganze Konterrevolution auf eine halbe Revolution. Das meint wohl nicht nur den halben Erdkreis oder das halbe Land, sondern von den nötigen Veränderungen nur die Hälfte.

Es sind unsere Jahre. Ohne viele Worte bemerken wir, dass wir alt geworden sind. Wer alles weiß, sagt man, hat geirrt. An Gründen aber, warum die Sache versucht wurde, mangelt es weniger denn je.“

 

aus: In den Trümmern ohne Gnade. Festschrift für Peter Hacks, Eulenspiegel Verlag 2003

 

Wolfgang Kohlhaase ist am 5. Oktober 2022, im Alter von 91 Jahren, in Berlin, gestorben.