Gedichte - Archiv

Hier sehen Sie weitere Gedichte von Peter Hacks. Alle hier veröffentlichten Gedichte sind urheberrechtlich geschützt © Eulenspiegel Verlagsgruppe.

Die Sonne

Abends im Gebirg der Dächer
Rollt der Sonnenball zu Tal,
Und sein großer Glanz wird schwächer
Und verlischt mit einem Mal.

Zur Erinnerung

Chorlied an die Muse
Wenn du den Krieg rühmst, Muse, als Troßweib dann wirst du reisen,
Ausgeschlaucht, syphilitisch, dem schmutzigsten Landsknecht zu Willen,
Zu deinem Publikum von Krüppeln.
Morgens trommelst, abends am Schindanger endest du.
Aber im Dienste des Friedens, Himmlische,
Der Götter Hochzeiten singend, der Männer Festmahl,
Klingen süß deine Lieder wie die der Schwalbe im jungen Lenz,
Machst du die Menschen freundlich und bauest in ihren Herzen dir
Eine unvergängliche Wohnung.

Der Liebe kleine Freuden

 
Freu dich, Liebe
 
Ich hab eine Nachbarin,
Der ich nicht zu häßlich bin.
Muss nicht weit nach Küssen gehn.
Hab mein Schatz im Hausflur stehn.

Auf dass die Oliven gedeihn

SPROSS DER OLIVE, MORDENDES GERÄT
 

Sproß der Olive, mordendes Gerät,
Blutiger Schößling, mildem Stamm entsprossen,
Dich pflanz ich in den alten Boden hin,
Auf daß, nach bösem Umweg, neu ersteht
Der reife Baum, langher in dir beschlossen,
Des Landes Schirm, Zier, Müh und Nährerin.

Aus den Arien und Ensembles zu »Omphale«

NICHT WEISHEIT MANGELT MIR
UND NICHT GEDULD
Nicht Weisheit mangelt mir und nicht Geduld.
Die teilnahmsvolle Brust ist meine Schuld.
Mit Trauer bloß seh ich die Hölle rührig,
Des Angriffs Niedertracht lähmt mein Gelenk.
Nicht, wie ich sollte, Zorn, Scham nur verspür ich,
Wenn ich ins Herz mich solcher Feinde denk.
Wo aber Weisheit scheitert und Geduld,
Dort wird die teilnahmsvolle Brust zur Schuld.