Tagung 2019

Menschenlehrlinge

Kinderliteratur im Werk von Peter Hacks

magnushausZwölfte wissenschaftliche Tagung der Peter-Hacks-Gesellschaft

Termin: Sonnabend, 2. November 2019
Ort:  Magnus-Haus, Berlin
Am Kupfergraben 7, 10117 Berlin-Mitte

 

Erste Vortragsrunde: 10 Uhr bis 14 Uhr
Moderation: Dr. Bernadette Grubner

10.15 Uhr
Dr. Jens Liebich
DER SCHUHU UND DIE FLIEGENDE PRINZESSIN – SOLLBRUCHSTELLEN DER FIKTION
Der Vortrag schlägt eine ausschließlich textimmanente Interpretation vor, in deren Zentrum das autonome Kunstwerk steht, dessen Eigenart im kritisch zu reflektierenden Leseprozess stets berücksichtigt wird. Die wohl auffälligste Eigentümlichkeit des Textes ist seine höchst heterogene Komposition: Nicht nur reaktivieren die zahlreichen märchenhaft-fantastischen Elemente das sicher geglaubte ›Märchenwissen‹ der Leser, sie relativieren es durch unvorhersehbare Wendungen und Brüche. Hinzu kommen die Auflösung von Zeit und Raum sowie ein gelegentlich melancholischer, oft jedoch sehr ironischer Erzähler, der kommentierend in die Geschichte eingreift und so explizit auf den Kunstcharakter der Erzählung verweist. Es wird sich zeigen, dass trotz der zahlreichen Wendungen und Brüche auf narrativer Ebene eine bemerkenswerte Einheit von Form und Inhalt entsteht, wodurch das Märchen nicht nur pädagogisch-erzieherischen Ansprüchen guter Kinderliteratur genügt, sondern auch den ästhetischen der sogenannten Hochliteratur.

11 Uhr
Dr. Henriette Hoppe
Das Motiv der Verwandlung in den Welten ausgewählter Kinderbücher von Peter Hacks
Die Kinderliteratur von Hacks ist in einer realen Welt angesiedelt, die immer wieder durch phantastische Figuren durchbrochen ist bzw. angereichert wird. So treten tierische Protagonisten auf, Tiere verkleiden sich als Menschen oder Figuren verwandeln sich in andere Wesen.
Die verwandelten Figuren oder Tiere werden von den sie umgebenden Menschen der realfiktiven Welt nicht (immer) als Fremdkörper wahrgenommen. Bisweilen verändern sich Sichtweisen der Protagonisten durch das Auftreten anderer Wesen; ebenso muss der Lesende sich für Umgangsweisen mit den entstehenden Irritationen entscheiden.
Im Beitrag werden die unterschiedlichen Arten von Verwandlungen und ihr Stellenwert in ausgewählten Erzähltexten von Peter Hacks beschrieben und untersucht. Dabei wird in Ansätzen auch auf die piktorale Ebene und Formen der medialen Umsetzung Bezug genommen.

11.45 Uhr
Dr. Leonore Krenzlin
Hat der Bär was falsch gemacht? 
"Der Bär auf dem Försterball" - ein Verwirrspiel für Kinder und Erwachsene

Dieser Bilderbuch-Text von Peter Hacks ist kein Gleichnis, das sich eins zu eins auflösen läßt. Es ist ein komisch strukturiertes philosophisches Märchen für Kinder und Erwachsene. Hacks arbeitet mit Markierungen, Fehl-Stellen und verdeckten Wendepunkten, um die (widersinnige?) Geschichte vom Identitätsverlust eines Bären zu erzählen. Lässt sich für Kinder eine Schlussfolgerung, Maxime, Moral daraus ableiten? Und was geschieht, wenn man als Erwachsener die Folgen von Maskierung und/oder Uniformierung durchdenkt?

12.30 Uhr
Christopher Kurt Spiegl
Emanzipatorische Märchenpoetik
Peter Hacks und (post)moderne Schreibpraktiken
Der Beitrag möchte die poetologisch-theoretischen Positionen von Peter Hacks zu einer nicht unumkämpften Gattung analysieren, um dadurch Prämissen für seine eigene Schreibpraxis herauszuarbeiten. Anhand ausgewählter Beispiele aus Hacksens Schaffen sollen anschließend die literarischen Verfahrensweisen nicht nur bestätigt, sondern mit zwei anderen Autoren verglichen werden: Bertolt Brecht und Ronald M. Schernikau (1960-1991) bilden hierbei einen interessanten Untersuchungshorizont, anhand dessen emanzipatorische Schreibversuche mit Märchenstoffen und -formen im 20. Jahrhundert aufgezeigt werden sollen.

13.15 Uhr
Prof. Dr. Jürgen Pelzer
Mythos und Märchen. Hacks' Grundlegung einer sozialistischen Kinderliteratur
Ich gehe von folgender Frage aus: Welche inhaltlichen und formalen Definitionen von Mythos und Märchen legt Hacks zugrunde? Wie setzt er sich von gängigen Erzähl- und Dramenpraktiken ab? Dabei ziehe ich zum Vergleich Definitionen wie diejenigen von Walter Benjamin und Ernst Bloch heran. Analysiert werden – neben dem einschlägigen Essay: "Was ist ein Drama, was ist ein Kind?" – vor allem die frühen Märchenerzählungen sowie die späteren Märchendramen. Sie erweisen sich als Modelle einer befreienden Welterklärung.

 

Zweite Vortragsrunde: 14.30 Uhr bis 18 Uhr
Moderation: Dr. Klaus Rek

14.30 Uhr
Felix Bartels
Nebenpfade. Drama für die Kleinen – Epik für die Kleinen – Epik für die Großen
In seinem Essay "Was ist ein Drama, was ist ein Kind?" stellt Peter Hacks ein paar elementare Überlegungen zum Genre der Kinderliteratur an. Der besondere Anlass dieser Schrift macht jedoch, dass sie auf dramatische Literatur für Kinder gerichtet ist, obgleich Hacks als Kinderbuch-Autor hauptsächlich episch tätig war. Hinzukommt, dass er auch Epik für Erwachsene geschrieben hat. Wie die Grenzen zwischen diesen Genres verlaufen, wie das Verhältnis von ästhetischer Reflexion und künstlerischer Praxis hier zu beurteilen ist, wieviel bzw. auf welche Weise Hacks die Weltlage in seiner Epik zum Ausdruck gebracht hat, will dieser Vortrag untersuchen.

15.15 Uhr
Prof. Dr. Eva Maria Kohl
Das kunstsinnige Kind als literarische Figur bei Peter Hacks
Der Beitrag untersucht die Besonderheit der Kindfiguren im erzählerischen Werk von Peter Hacks, insbesondere in Texten aus der Sammlung „Kinderkurzweil“, und fragt nach dem Kindheitsbild des Autors. Hacks thematisiert in seinem kinderliterarischen Werk immer wieder das Gemachtsein und die Handwerklichkeit des Schreibens und verwickelt seine kindlichen Protagonisten in „Kunstgespräche“. Zu fragen wäre, ob sich Hacks als eine Art Kunsterzieher verstanden hat?

16 Uhr
Dr. Jana Mikota
Illustrationen zu Hacks’ Gedichten
Menschenlehrlinge: Kinderliteratur von Peter Hacks
Peter Hacks gehört, so die Literaturwissenschaftlerin Karin Richter, zu den „originellsten deutschen Schriftstellern“ (Richter 2016, S. 319) und sein literarisches Werk ist umfangreich. Im Bereich der Kinderliteratur ist es vor allem seine Lyrik für Kinder, die mit Sprachwitz und Ironie beeindruckt.
Ausgehend von den Debatten um Hacks’ Kinderlyrik möchte sich der Beitrag der Verbindung von Text und Bild widmen. Hacks’ Kindergedichte wurden u.a. von Klaus Ensikat illustriert, und es existieren zudem Pappbilderbücher, die an ein Lesepublikum im Vorschulalter adressiert sind. Doch wie verhalten sich Text und Bild zueinander? Sind die Bilder nur reine Illustrationen, die den Text begleiten? Oder ergänzen sie diesen? In der Bilderbuchforschung existieren unterschiedliche Modelle zur Bilderbuchanalyse (u.a. Staiger), die auf das Œuvre von Peter Hacks angewendet werden sollen und sich der bislang in der Forschung vernachlässigten Verbindung von Lyrik und Bild widmen möchten.

16.45 Uhr
Prof. Dr. Karin Richter
Phantastisches und Komisches in den kinderliterarischen Erzählungen von Peter Hacks.
Erkundungen zu den Zugängen von Kindern zu „Meta Morfoss“ und „Das musikalische Nashorn“

Im Vortrag werden Ergebnisse aus Literaturprojekten in 3. und 4. Klassen vorgestellt, in denen sich erkennen lässt, inwieweit Kinder die phantastischen und komischen Strukturen und ästhetischen Mittel von Peter Hacks wahrnehmen und das Sinnpotential der Texte erfassen. In der Präsentation von kindlichen Textproduktionen werden Rezeptionsmuster von Jungen und Mädchen vorgestellt und erläutert.

Die Tagungsgebühr beträgt 30 Euro/ermäßigt 20 Euro. Die Anmeldung zur Teilnahme an der Tagung kann schriftlich, telefonisch oder per E-mail bis 27.10.2019 erfolgen.
Sie ist zu richten an:
Peter-Hacks-Gesellschaft e.V., Geschäftsstelle, Torstraße 6, 10119 Berlin. Tel. 030-23 80 91 29, E-mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, oder: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

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Ausgewählte Referate der Tagung werden im Aurora Verlag veröffentlicht.

Mit freundlicher Unterstützung von:

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