magnushaus

„Unendlich nur ist der Zusammenhang“

Hacks und der Marxismus

Dreizehnte wissenschaftliche Tagung der Peter-Hacks-Gesellschaft e.V.

Termin: Sonnabend, 31. Oktober 2020

Ort:  Magnus-Haus, Berlin
Am Kupfergraben 7, 10117 Berlin-Mitte

10 Uhr bis 18 Uhr

 

Peter Hacks war ein Schriftsteller, der Inhalt und Wirkungsstrategie seiner Dichtungen nicht spontan entwarf, sondern allgemeine Einsichten im Besonderen der je aktuellen Lage und des einzelnen Werks erfasste. Literatur und Erkenntnis stehen damit nicht im Gegensatz, sondern bedingen einander, ohne identisch zu werden. Der Autor erklärt sein Werk, doch das Werk erschöpft sich nicht in der Erklärung. Vielmehr entsteht ein Spannungsverhältnis von Werklogik und theoretischer Erkenntnis, die bei Hacks marxistisch begründet war.

Bereits vor seiner Übersiedlung in die DDR 1955 eignete er sich Grundlagen eines marxistischen Herangehens an die Welt an. Die poetologische Reflexion der verschiedenen Phasen seines Schaffens – von der Brechtnachfolge der ersten Jahre in der DDR über die Konzeption einer sozialistischen Klassik in der späten Ulbricht-Zeit und der Reaktion auf Zerfallserscheinungen unter Honecker bis hin zu einer wieder offen politisierten Literatur der Nachwendezeit – ist marxistisch untermauert. Die 2018 unter dem Titel „Marxistische Hinsichten“ erschienene Sammlung politischer Schriften belegt darüber hinaus, dass Hacks sich durchgehend als gesellschaftlich wirkender Autor begriff und dass diese politische Ästhetik an den marxistisch fundierten Aufbau des Sozialismus in der DDR, und dies über ihr Ende hinaus, gekoppelt war.

Die geplante Tagung soll klären, inwieweit Hacks an Werke von „Klassikern“ wie Marx, Engels, Luxemburg und Lenin anknüpfte, welche Rolle die theoretischen Fortentwicklungen im Rahmen sozialistischer Staatlichkeit vom späten Lenin bis zu Ulbricht für ihn spielten, wie er die marxistische Philosophie des 20. Jahrhunderts (z.B. Lukács, Bloch, Harich, Holz) und die Wissenschaft in der DDR rezipierte. Zudem geht es um Hacksens produktive Weiterarbeit mit diesem Erbe, damit um die Frage, wo er Gedanken weiterführte und auch, wo er sich bewusst in einen Gegensatz zur marxistischen Theorietradition stellte. Von Bedeutung ist ebenfalls, in welchen Zusammenhang er die Arbeiten von Marx stellte: „Wer Goethe sagt, muss Hegel sagen, und wer Hegel sagt, sagt Marx.“ Mögliches Thema ist auch seine Auseinandersetzung mit Strömungen, die er ablehnte (Trotzkismus, Maoismus, die Neue Linke im Westen).

Damit soll die Tagung auch zu einer politischen Biographie von Hacks beitragen und erhellen, welche Auswirkungen die Einschnitte in der Geschichte der DDR und ihr Ende auf sein Denken hatten.

Themenfelder können unter anderem sein: Klassenbegriff; Theorien zu Staat, Revolution, Konterrevolution, Imperialismus und Kolonialismus; Ökonomie (Mehrwerttheorie, Arbeitsbegriff); Geschichtsbild; marxistische Ästhetik. Der Schwerpunkt der Tagung wird auf dem essayistischen Werk und seinen Kontexten sowie den noch wenig erschlossenen politisch-ökonomischen Notizen aus dem Spätwerk, die erstmals in den „Marxistischen Hinsichten“ publiziert sind, liegen. Besonders willkommen sind Vorträge, die das Verhältnis von theoretischem und dichterischem Werk untersuchen, sei es übergreifend oder am Beispiel einzelner Werke.

Vorschläge für Tagungsbeiträge können bis zum 15.04.2020 schriftlich oder per E-mail an

Peter-Hacks-Gesellschaft e.V.
Frau Jutta Becker
Torstr. 6
10119 Berlin,

Tel. 030-23 80 91 29,
E-mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

erfolgen. 
Die Vortragslänge beträgt idealerweise 20, maximal 30 Minuten.

Ausgewählte Referate werden im Hacks Jahrbuch 2021 veröffentlicht.