Tagung 2016

»Machen Sie nicht weiter so«
Hacks in Dialog und Kontroverse mit Kollegenmagnushaus

Neunte wissenschaftliche Tagung zu Werk und Leben von Peter Hacks

Termin: Sonnabend, 12.11.2016, 10 bis 18 Uhr

Ort:  Magnus-Haus, Berlin

Am Kupfergraben 7, 10117 Berlin-Mitte

 

Erste Vortragsrunde, 10 bis 13.30 Uhr
(moderiert von Anette Handke, Berlin)

10.15 Uhr
Dr. Ronald Weber, Berlin
»Drei Poeten, höchste Mittel wählend«
Hacks, Lange, Müller, oder: das erhoffte Triumvirat der sozialistischen Klassik

Peter Hacks galt im literarischen Leben der DDR schon bald nach seiner Übersiedlung als streitbarer Autor, war aber stets auch ein Förderer und Fürsprecher. Zwei Autoren, für die er sich in besonderer Weise einsetzte, sind Hartmut Lange und Heiner Müller. In ihnen erkannte er Ebenbürtige und Partner bei seinem Projekt einer Wiederaneignung des poetischen Dramas und der Begründung einer sozialistischen Klassik. In Hartmut Lange fand Hacks zudem einen seiner ersten Schüler. Doch Heiner Müller wurde als Begründer des postdramatischen Theaters bald zum Konkurrenten, und Hartmut Lange verließ unter unfreiwilliger Hilfe von Hacks die DDR. Das Klassikprojekt blieb das Geschäft eines Einzelnen. Der Vortrag zeichnet das Verhältnis der drei Dramatiker nach und zeigt anhand ausgewählter Textbeispiele Gemeinsamkeiten und Unterschiede.

11 Uhr
Dr. Leonore Krenzlin, Berlin
»Ich rede leichter von als mit ihm ...«
Hacks und Biermann - zwei Außenseiter im literarischen Feld DDR.
Zu den skandalträchtigen Äußerungen, mit denen Peter Hacks die literarische Welt von Zeit zu Zeit provozierte, gehört seine Stellungnahme zur Ausbürgerung von Wolf Biermann im Jahre 1976. Was bezweckte Hacks mit seiner betont grobschlächtigen Argumentation? Was verband, was trennte die beiden Schriftsteller? Wie verhielt sich Hacks' Konzept politischer Lyrik zu dem von Biermann? Und was hat ihn 1985 dazu bewogen, sein abschätziges Urteil über Biermann zu korrigieren?

11.45 Uhr
Wiglaf Droste, Leipzig
Die Fledermaus und die Weltgeschichte
James Krüss und der zwei Jahre jüngere Peter Hacks reisten Mitte der 50er Jahre gemeinsam nach Istrien an die jugoslawische Adriaküste. Sie lebten und dichteten dort gemeinsam und blieben zeitlebens verbunden. Ihr Briefwechsel zeigt, dass ihre Beziehung eine über jeglichen Dissens hinaus besonders herzliche war und Jugoslawien für sie eine paradiesische Anmutung besaß, die sie mit Trotz und Wehmut 1993 verfliegen sahen. Krüss war, wird der Vortrag zeigen, eine Liebe von Hacks.

12.30 Uhr
Prof. Dr. Gunther Nickel, Darmstadt
»Klassiker sind nie einseitig«
Hacks’ Kritik der »Macbeth-Schändung« durch Heiner Müller
Heiner Müllers 1972 uraufgeführte Transformation von Shakespeares »Macbeth« zu einem »zeitlosen Gemetzel um Macht und Überleben« (Hans-Thies Lehmann) wirkt bis heute in der Shakespeare-Interpretation deutscher Theaterregisseure nach. Sie stieß schon damals bei Peter Hacks auf entschiedene Mißbilligung, und sie findet auch keine Stütze in den Ergebnissen der internationalen Shakespeare-Forschung. Aus deren Perspektive soll das Zerwürfnis zwischen Müller und Hacks, das von Müllers »Macbeth« seinen Ausgang nahm, nochmals mit einem Seitenblick auf die Shakespeare-Deutung von André Müller sen. und einem Ausblick auf die 1976 einsetzende Klassik-Romantik-Kontroverse unter DDR-Autoren beleuchtet werden.

Zweite Vortragsrunde, 14.30 Uhr bis 18 Uhr
(moderiert von Dr. Bernadette Grubner, Berlin)

14.30 Uhr
Prof. Dr. Bernd Leistner, Leipzig
Hacksens Verwandtschaft in der literarischen DDR
Ob es sich ziemt, von einer »Klassiker-Fraktion« in der literarischen DDR zu sprechen, bleibe dahingestellt. Doch nicht nur Peter Hacks unterwarf seine Autorschaft einem ästhetischen Credo, das sich entschieden von den Formungsvorgaben klassischer Tradition herleitete und es gebot, in solchermaßen verpflichtendem Sinne mit selbstbeherrscht weltwahrnehmender Bewusstheit diszipliniert ans Werk zu gehen. Es ist dies eine Disposition, zu der sich, auf eigene Art, auch einige Autoren der sogenannten Sächsischen Dichterschule bekannten. Im Vortrag wird dieser Verwandtschaft des Bestrebens nachgefragt.

15.15 Uhr
Ira Leona Klinkenbusch, Berlin
»Ein äusserst seltener Erfolg«
Der Literaturzirkel um Peter Hacks (1963-1973)

Der Kreis seiner »dichtenden Laien«, wie Hacks sie einmal bezeichnete, war durchaus heterogen besetzt: Charlotte Worgitzky, Eugen Eschner, Christoph Hein nahmen teil – aber auch tatsächliche ‚Schreibende Arbeiter‘ wie Ursula Zink oder Emmi und Bruno Jacob, in deren Wohnung der Zirkel tagte. Im Vortrag werden die Rolle von Hacks im Zirkel, die Arbeitsweisen und Kommunikationsstrukturen untersucht. Briefe und Gespräche mit TeilnehmerInnen belegen unterschiedliche Beziehungstypen, die die Flexibilität von Hacks’ Position zeigen. Er trat einerseits als Mentor, Patron und Lehrer auf. Ebenso aber zeigen die Dokumente freundschaftliche Beziehungsstrukturen, Zusammenarbeit auf Augenhöhe gleichermaßen wie eine beständige literaturpolitische Positionierungsarbeit von Hacks.

16 Uhr
Dr. Detlef Kannapin, Berlin
Peter Hacks und der BRD-Staat
Autorengröße und negative Kaderentwicklung im Nachbarduell
Wohl zu keiner Sachlage war das Urteil von Hacks so klar und eindeutig wie zur BRD: um mindestens eine Epoche zurück. Der wohlüberlegte Übertritt zum Sozialismus 1955 determinierte sein Kunstschaffen wesentlich, ebenso seine Urteile über den abgelegten Staat und dessen Literaten. Der Vortrag stellt in Umrissen die Position von Hacks zum BRD-Staat und seinen Autoren vor. Behandelt werden der ausführliche Briefwechsel mit André Müller sen., der abgebrochene mit Hans Magnus Enzensberger, der nicht vorhandene mit Arno Schmidt sowie einzelne Bemerkungen über weitere BRD-Schriftsteller, die programmatischen Charakter tragen. Abgerundet wird der Beitrag mit dem Beweis der These, daß Heiner Müller in den 1980er Jahren zum BRD-Autor wurde.

16.45 Uhr
Dietmar Dath, Freiburg
Arbeitstreffen im Jenseits
Wie sich Peter Hacks mit Leuten verträgt, die ihn überlebt haben und weiter von ihm lernen wollen
Es gibt derzeit keinen Lebendigen, bei dem man sich so strenge Strafen für künstlerisches Ungenügen abholen kann wie beim immer noch (und vielleicht immer wirkungsvoller) aktiven Geist von Peter Hacks. Dietmar Dath nimmt sich nicht nur selbst als Beispiel hierfür, das aber besonders ausführlich, weil er das Thema gut kennt, oft darunter leidet und dieses Leid (wie auch ein paar damit verbundene Freuden) gerne mit anderen teilen möchte.

Freitag, 11. November, 19.30 Uhr
DER WELT EIN EI LEGEN

Lesung aus Anlass der 9. Peter-Hacks-Tagung am 12.11.16:
Die Schwärze der Welt im Eingang des Tunnels.
Essay (1990)
Die Höflichkeit der Genies.
Dramolett (1992)
mit Helga Werner, Albrecht Goette, Jochen Kretschmer
Leitung: Jens Mehrle
Im Essay "Die Schwärze der Welt im Eingang des Tunnels" sucht Hacks bei seinen Kollegen Benn, Beckett, Brecht, Chandler, Enzensberger, Goethe, Grabbe, Grimmelshausen, Huxley, Keller, KLeist, Kunert, Schmidt, Shakespeare Antwort auf die Frage: "Wie, wenn die Menschheit zur Zeit eben nicht gerettet sein will, die Kunst retten?"
Im Dramolett "Die Höflichkeit der Genies" begegnen sich Menuhin und Einstein darin, ihre Arbeit zu tun, "wie sie gemacht werden muß", und erweisen sich in ihren Liebesdiensten als Helden ihrer Zeit und Kollegen des Dichters.

Ort: Literaturforum im Brecht-Haus, Chausseestr. 125,10115 Berlin-Mitte
Eintritt: 8 Euro / ermäßigt 6 Euro
Kartenreservierung: tel. 030/23 80 91 29 oder per Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


Tagungsgebühr: 30 Euro / ermäßigt 20 Euro

Die Anmeldung kann schriftlich, telefonisch oder per E-mail bis  7. November erfolgen.

Sie ist zu richten an:

Peter-Hacks-Gesellschaft e.V.

Frau Jutta Becker

Markgrafenstr. 36, 
10117 Berlin

Tel. 030-23 80 91 29

E-mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Mit freundlicher Unterstützung von:

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