Am 5. November 2022 findet in Berlin die 15. Wissenschaftliche Tagung der Peter-Hacks-Gesellschaft statt. Das Thema sind die vielfältigen Beziehungen von Hacks zu Goethe – zu dessen Dichtung, Persönlichkeit, politischem und ästhetischem Denken. Wir bitten um Vorschläge für Tagungsbeiträge, die sich mit diesem Themenspektrum beschäftigen.

 

„Als man begriff, daß er unschlagbar wär“
– Hacks und Goethe

15. Wissenschaftliche Tagung der Peter-Hacks-Gesellschaft

 

Termin: 5. November 2022, 10.00 - 18.00 Uhr
Ort: Magnus-Haus Berlin, Am Kupfergraben 7, 10117 Berlin

 

Die Bedeutung Goethes für das Werk von Peter Hacks kann nur schwer überschätzt werden. Von der 1947 verfassten Hausarbeit „Die deutsche Romantik und ihre Stellung zur Klassik“ an bis zum letzten großen Essay „Zur Romantik“ (2000) enthalten die theoretischen Schriften eine Vielzahl von Goethe-Bezügen. Gleiches gilt für die Dichtung – zwei Bühnenwerke Goethes hat Hacks fortgeschrieben: „Das Jahrmarktsfest zu Plundersweilern“ (1973) und „Pandora“ (1979). In der Szenenfolge „Musen“ (1979) tritt Goethe als Figur auf, Hacksʼ erfolgreichstes Stück, das Monodrama „Ein Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn von Goethe“ (1974), macht den Weimarer Klassiker ganz zum Gegenstand.

Wiederholt wurde Goethe für Hacks zum Ausgangspunkt eigenständiger ästhetischer Überlegungen, so im Balladenessay „Urpoesie oder: Das scheintote Kind“ (1984) oder in der programmatischen Rede „Eine Goethesche Auskunft zu Fragen der Theaterarchitektur“ (1982), worin Hacks das Verhältnis von Bühnenwirkung und politisch-sozialer Struktur bespricht und damit seine Romantik-Theorie erstmals vollständig formuliert. Zum andern nahm Hacks Goethe zum Vorbild bei der Ausbildung von Haltungen in Zeiten des Niedergangs: „Saure Feste“ (1980), „Die Schwärze der Welt im Eingang des Tunnels“ (1990), „Unter den Medien schweigen die Musen“ (1990). Zwei ausführliche, von Hacks geleitete Diskussionen an der Akademie der Künste der DDR zogen mit den Themen „Klassik und Romantik in der DDR“ (1976) und „Theorie der Klassik“ (1977) Goethe ins Zentrum des Interesses.

Die Diskussion von 1976 verweist auf die besondere Dimension der Hacksschen Goethe-Rezeption – zeitweise war es sogar die wichtigste. Für Hacks waren Klassik und Romantik nicht bloß konkurrierende kulturpolitische oder ästhetische Strömungen, sie stehen bei ihm für zeitübergreifende Denkweisen. Entsprechend versuchte Hacks die DDR-Gegenwart vor dem Hintergrund der Zeit um 1800 zu erfassen, wobei Goethe eine zentrale Figur der Identifikation und Auseinandersetzung wurde.

Sämtliche Facetten dieser Beziehung – Goethe als strategische, poetologisch-politische Leitfigur, als Person im Drama, Stichwortgeber in der Genretheorie, (auto-)biographische Identifikationsfigur sowie Vorbild in der Haltung zur Welt – sind von der Forschung erfasst. Die Vorträge der geplanten Tagung sollen die vorliegenden Erkenntnisse präzisieren und zum anderen Zusammenhänge zwischen den genannten Ebenen herausarbeiten. Hierbei sind Analysen der einschlägigen Dramen und Essays willkommen, mehr noch aber Untersuchungen zu bislang weniger intensiv erforschten Quellen wie den Akademie-Gesprächen (Berlinische Dramaturgie, Berlin 2010) und dem Frühwerk (Der junge Hacks, Berlin 2018). Welche Seiten von Goethes Leben und Werk waren für Hacks anschlussfähig, welche hat er vernachlässigt? Wie lässt sich der Zusammenhang von Hacksʼ Goethe-Rezeption mit zeitgenössischen Entwicklungen in der DDR (Philologie, Kulturpolitik, Staatszerfall) fassen?

Vorschläge für Tagungsbeiträge können bis zum 30. April 2022 schriftlich oder per E-Mail an Peter-Hacks-Gesellschaft e.V., Herrn Burkhard Schmidtke, Torstr. 6, 10119 Berlin, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! erfolgen.

Die Vortragslänge beträgt idealerweise 20, maximal 30 Minuten. Ausgewählte Referate werden im Hacks Jahrbuch 2023 veröffentlicht.