Im Herbst dieses Jahres findet in Berlin die 19. Wissenschaftliche Peter-Hacks-Tagung statt. Das Thema in diesem Jahr: Peter Hacks und die Trivialkunst.

 

Hacks und die Trivialkunst

 

19. Wissenschaftliche Peter-Hacks-Tagung

 

Termin: Oktober oder November 2026
Ort: Berlin

 

»Er sah noch eine halbe Nacht lang fern, / Jeden Kanal, und starb dann äußerst gern« – so lautet das Distichon »Hingang« von Peter Hacks. Offen bleibt dabei, ob dieser Er eine Welt, die derart Grauenhaftes hervorgebracht hat, lieber verlässt oder ob im Gegenteil das Zappen durch verschiedene Programme eine letzte Freude bedeutete. In der Forschung zu Peter Hacks stehen jedenfalls bislang, neben politischen Fragen, seine Bezüge zur Hochkultur im Mittelpunkt, besonders sein Verhältnis zur Klassik und seine Gegnerschaft zur Romantik. Die Jahrestagung der Hacks-Gesellschaft 2026 wird dagegen ihren Blick auf Bereiche richten, die mit einem vorläufigen Begriff als »Unterhaltungskünste« umrissen werden können.

Dies soll zum einen abwertende Bestimmungen wie »Trivialliteratur« vermeiden, zum anderen eine ästhetische Ebene bezeichnen, auf der es nicht um hochkulturelle Anerkennung geht, sondern um einen unmittelbaren Publikumsbezug. Mit diesem Publikumsbezug ist ein Punkt genannt, der die Ästhetik Hacks’ mit den Unterhaltungskünsten verbindet; die unter dem Titel »Berlinische Dramaturgie« publizierten, von Hacks geleiteten Gespräche an der Akademie der Künste der DDR sind voller Überlegungen zu dieser Frage. Ein anderer Punkt ist, dass sich die Fixierung der Unterhaltungskünste auf Genres, deren Regeln das Publikum kennt, mit Hacks’ Poetik trifft, in der die souveräne Beherrschung der Gattungsbestimmungen den Autoren erst die fürs Schreiben notwendige Freiheit bringt.

Biographisch stehen Arbeiten für die Münchner Kabarettszene am Beginn von Hacks’ Laufbahn als Schriftsteller. Als Germanistikstudent befasste er sich mit literatursoziologischen Fragen; seine Dissertation ist dem »Theaterstück des Biedermeier« und damit einer frühen Massenproduktion für den Bühnengebrauch gewidmet. Und so spät wie in der Akademie-Arbeitsgruppe von 1988-90, in der Hacks jüngeren Autoren das Handwerkszeug zum Schreiben von Dramen zu vermitteln unternahm, finden sich zahlreiche Bezüge auf Film und Fernsehen. Darüber hinaus sind mögliche Themen für Vorträge:

  • Hacks als Autor für Rundfunk und Fernsehen,
  • Hacks’ Adaption von Unterhaltungsgenres, etwa dem Horrorgenre im Drama »Die Fische« (1975),
  • seine theoretischen Auseinandersetzungen mit solchen Genres, etwa »Die Geburt des Schwanks aus dem Geist der Tragödie« (1984), und mit Themenbereichen, zum Beispiel der Pornographie in »Linke Arbeiter« (1988),
  • die Diskussionen zur Komödie im Sozialismus in den Akademiegesprächen, etwa zu den Stücken von Helmut Baierl; Hacks’ Umarbeitung von Rudi Strahls »Er ist wieder da« zu seinem Drama »Barby« (1982) und die Frage nach einer möglichen Unterscheidung eines sozialistischen von einem bürgerlichen Boulevard, bis hin zu dem Nachwendestück »Fafner, die Bisam-Maus« (1991); damit verbunden theatergeschichtlich Boulevard-Elemente in Inszenierungen von Hacks-Stücken;
  • die zusammen mit Anna Wiede verfassten und unter dem Pseudonym Saul O’Hara verfassten Boulevardstücke »Heiraten ist immer ein Risiko« (1960) und »Der Whisky lauwarm, das Bett in der Halle« (1967),
  • seine Kritik am westlichen Mediensystem in der Wende- und Nachwendezeit, etwa im Essay »Unter den Medien schweigen die Musen« (1990), und ihre Gemeinsamkeiten mit und Unterschiede zu den westlichen Kritiken an der Kulturindustrie von Theodor W. Adorno bis Hans Magnus Enzensberger,
  • Hacks und die Musik, mit Blick auf seine neuen Texte zu Kompositionen von Jacques Offenbach von »Die schöne Helena« (1964) bis zu »Orpheus in der Unterwelt« (1995) und auf die von ihm favorisierten Bühnenmusiken, etwa von André Asriel zu »Der Frieden« (1962) und »Polly« (1963),
  • Hacks als Leser, zum Beispiel von historischen Romanen von Walter Scott oder Alexandre Dumas, wie er sich aus Briefwechseln erschließen lässt, insbesondere aus dem mit André Müller; Hacks als Leser von Kriminalromanen.

Vorschläge für Referate zu diesen und damit verbundenen Themen richten Sie bitte bis Ende Mai postalisch oder per E-Mail an die Geschäftsstelle der Peter-Hacks-Gesellschaft:

Peter-Hacks-Gesellschaft, z. H. Burkhard Schmidtke, Milastraße 2, 10437 Berlin; Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Die Vortragslänge beträgt idealerweise 20, maximal 30 Minuten. Ausgewählte Referate werden im Hacks Jahrbuch 2027 veröffentlicht.

 

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