Gedichte - Archiv

Hier sehen Sie weitere Gedichte von Peter Hacks. Alle hier veröffentlichten Gedichte sind urheberrechtlich geschützt © Eulenspiegel Verlagsgruppe.

TRAUMSTADT

Baut eine Stadt, wo keine Pflicht noch Plage drückt,
Ein Dach der Muse, Heimstatt allem Heiteren,
Wo unbefragt ihr wandelt nach Woher, Wohin
Und euch das Schicksal immerwährend Körner streut.

Baut eine Stadt, in deren knospendem Gebälk
Die Liebe wehet wie in einem Blütenzweig,
Wo Herz zu Herzen still wie Ros zu Rose schwebt,
Vom Wind der reinen Neigung einzig hingelenkt.

Baut eine Stadt, erbaut sie nach der Träume Schnur,
Vom Stoff der Kühnheit, auf Entschlusses Fundament,
Wo ihr euch selbst begegnet, eurer Wirklichkeit,
Denn wie ihr leben wolltet, lebtet ihr ja nicht.

 

Der Hof von heute

DIE LÄCHERLICHEN UNPREZIÖSEN

Wie Morgenwolken lockenschön das Bett
Umstehn, woraus die Sonne sich erhebet,
So – daß sich Glanz im Widerglanz belebet –
Im allerköniglichsten Kabinett
Stand Ludwigs Adel: rosenrot und weiß.
Das Rot war Bolus und das Weiße Reis.

DAS RIESENQUARTETT

In fernem Land, in alter Zeit,
In einem Schloß aus Stein,
Da herrschten tausend Meilen weit
Drei Riesen im Verein.
Die waren nicht gut, die waren nicht nett,
Die spielten mit lebenden Menschen Quartett.

Die Sonne

Abends im Gebirg der Dächer
Rollt der Sonnenball zu Tal,
Und sein großer Glanz wird schwächer
Und verlischt mit einem Mal.

Zur Erinnerung

Chorlied an die Muse
Wenn du den Krieg rühmst, Muse, als Troßweib dann wirst du reisen,
Ausgeschlaucht, syphilitisch, dem schmutzigsten Landsknecht zu Willen,
Zu deinem Publikum von Krüppeln.
Morgens trommelst, abends am Schindanger endest du.
Aber im Dienste des Friedens, Himmlische,
Der Götter Hochzeiten singend, der Männer Festmahl,
Klingen süß deine Lieder wie die der Schwalbe im jungen Lenz,
Machst du die Menschen freundlich und bauest in ihren Herzen dir
Eine unvergängliche Wohnung.