Gedichte - Archiv

Hier sehen Sie weitere Gedichte von Peter Hacks. Alle hier veröffentlichten Gedichte sind urheberrechtlich geschützt © Eulenspiegel Verlagsgruppe.

Nachricht vom Leben der Spazoren

Nachricht vom Leben der Spazoren

Bei Asien gleich querfeldein,
da leben die Spazoren.
Die haben Rüssel wie ein Schwein
und tellergroße Ohren.

Nikolaus erzählt

Als ich auf den Kalender sah,
Rief ich: Ei, der verhexte!
Die Stiefel her! Die Zeit ist da!
Heut ist ja schon der sechste!

Parteiprogramm

Die Christlich Soziale Union Bayerns
Parteiprogramm

Freilich hat es einst geheißen
›Gebt von dem was Ihr erhaltet
Auch den Armen!‹ Doch Wir wissen,
Diese These ist veraltet.

PLAGEJAHRE

PLAGEJAHRE


Lenins brausender Oktober
Half der Menschheit auf den Sprung,
Freilich wieder nur in grober
Paradieses Näherung.
Plagejahre, Übergang –
Manches dauert gar zu lang.

Rationalisierung

Rationalisierung

Mädchen, wie? Du bist nicht krank?
O fatal! jetzt sind zunichte
Zwei der trefflichsten Gedichte,
Drin Dein Übel ich besang.

Sentimentale Romanze vom Flussgott und dem Mädchen

Sentimentale Romanze vom Flussgott und dem Mädchen

Der Flussgott hockte alt und fett
Im schattigen Schilfgemenge
Und blies auf seinem Flageolett
Sididü sididadu
Verstohlene Sommerklänge.

Sommergedicht

Rote Sommer

 Derweil der große Haufen sich, in überengen
Behältern drangvoll duldend wie auf Viehtransporten,
Aus Deutschlands nördlich milden Breiten oder Längen
Hinquält zu seinen grauenhaften Urlaubsorten,

Sommergedicht – August

Die Forelle

In einem Bächlein helle
Wohnt die Forelle drin,
Die mannhafte Forelle,
Der Bienen Königin.

Spätestens zu Pfingsten hört selbst bei den Riesen das Zanken auf. Also: frohe, friedliche Feiertage in die Runde – von Peter Hacks.

 

DER GROSSEN RIESEN LANGER TAG

Im Winter da schlafen die Riesen,
Bewegen keinen Zeh.
Aus ihren Nasen kommen Wolken,
Die falln herunter als Schnee.

Im März erwachen die Riesen
Und setzen auf die Brill
Und ziehen an den Schlafrock.
Sie frühstücken im April.

Triumphbogen in Paris verhüllt

 

FIN DE MILLENAIRE

Wer nie vom Schönen je vernahm, vermißt nichts.
Ein Bürokrat sucht Intendanten aus.
Müller kann nichts, weiß nichts, ist nichts.
Ein Irrer wickelt Lappen um ein Haus.

Ich gähne nur in jedem solchen Falle.
Gegen den Niedergang kommt keiner an.
Ich laß sie machen, weil ich sie nicht alle
In einem Dahmesee ersäufen kann.

Ja, wenn ich könnte. So verkroch ich mich
In einer Grotte des Jahrtausendendes,
Wo mich ein Schlafbedürfnis, ein horrendes,
Bis zur Betäubung übermannte. Ich,
Der ich rein körperlich zum Müdsein neige,
Vergebt mir, wenn ich keinen Zorn mehr zeige.

 

(aus Werke Bd. 1, Die Gedichte, S. 288)