von Dr. Kai Köhler (Berlin)

10.15 Uhr

Hacks fasste die Konflikte in der späten DDR mit dem Gegensatz zwischen Vernunftstaat und romantischer Fronde. Nach 1989 gab er das Muster nicht auf, sondern spitzte seine Romantikkritik sogar noch zu. Doch während die DDR, trotz mancher Nickligkeiten im Detail, für historischen Fortschritt stand, fand sich Hacks nun in einem Staat, den er ablehnte. Er begriff die vergrößerte Bundesrepublik als Bestandteil eines geschichtlich überlebten, wenngleich noch zerstörerisch wirksamen Imperialismus.

von Felix Kupfernagel (Remagen)

12.00 Uhr

Hacks Umgang mit der Romantik lässt sich seit jeher als Dialektik des literaturästhetischen Phänomens und der diskursiven Einordnung der Romantik anhand ihres Personals und deren Politik erfassen. Phänomen und Diskurs haben sich bei Hacks in den besten Fällen sogar befruchtet und eine eigene Produktivität entwickelt.

von Dr. Nikon Kovalev (Moskau, per Zuschaltung)

11.00 Uhr

„Bojarenschlacht“, „Tatarenschlacht“ und „Der falsche Zar“ – allesamt 1996 entstandene Stücke von Hacks – sind mit der Zeitgeschichte Russlands eng verbunden. In einem Brief an André Müller sen. heißt es: „Ich warte den Ausgang der russischen Präsidentschaftswahlen ab, um ein Zarendrama zu schreiben“. Im zweiten Stück „Tatarenschlacht“ ändert Hacks seinen Urstoff am besonders tiefgreifend (Hauptidee, Ende). Oserows Original ist ein patriotisches Konjunktur-Stück, Hacks’ Version ist dagegen eine Auseinandersetzung mit den Fragen: Was darf man in der Politik tun und was nicht? Und was bedeuten der Staat und die Heimat?

von Jakob Ole Lenz (Dresden)

12.45 Uhr

In seiner Ablehnung der Romantik bringt Peter Hacks in dem 1988 begonnenem und 1991 erschienenen Essay „Ascher gegen Jahn“ einen Autor in Stellung, der damals den wenigsten Geistes- und Sozialwissenschaftlern ein Begriff gewesen sein dürfte: den jüdischen Spätaufklärer und streitbaren Publizisten Saul Ascher (1767 – 1822). Auch in seinem polemisierenden Essay „Zur Romantik“ von 2001 stellt er Ascher noch einmal als Friedrich Ludwig Jahns „Gegenspieler in Berlin“ heraus. Schon der Klappentext von „Ascher gegen Jahn“ greift dabei die zur Erscheinungszeit „hochaktuelle“ deutsche Frage auf und verbindet sie lose mit Hacks‘ zentralem Kampf für die Klassik und gegen die Romantik.

von Prof. Dr. Jürgen Pelzer (Athen, per Zuschaltung)

14.30 Uhr

Im Beitrag soll Hacksens dritte Bearbeitung eines Aristophanes-Stücks analysiert werden. Sie unterscheidet sich in Form und Inhalt von den beiden vorhergegangenen. Anfang der neunziger Jahre ist ein bloßes Anknüpfen oder eine aktualisierende Adaption nicht mehr möglich. Die Vorlage mit ihrer Geißelung der ungleichen und ungerechten Zustände dient nur als Ausgangspunkt. Die Aristophanische Utopie einer leistungsgerechten Umverteilung teilt Hacks nicht.

von Ken Merten (Berlin)

15.15. Uhr

An der Oberfläche trennen Hacks und Ronald M. Schernikau in ihren Lebensweisen wie ihrer Literatur die eine oder andere Welt. In Sachen Kunstproduktion mögen Hacksens Lakonik- und Naturalismus-Vorwürfe gegenüber Schernikau den Eindruck unterstreichen. Doch der erste Blick trügt. Denn in Fragen der Politik und der Schönheit waren beide nicht nur bezüglich des antifaschistischen Schutzwalls und dessen vorzeitigen wie unnötigen Abrisses miteinander einverstanden.

von Dr. Detlef Kannapin (Berlin)

16.15 Uhr

Das Dramolett „Der Parteitag“ ist eines der allerletzten Werke von Peter Hacks und gilt zu großen Teilen als misslungen. Vor allem ist der Dramatiker seiner eigenen Logik untreu geworden, Gegenwart und Politik niemals als Gegenwarts- und Politikstück abzuhandeln. Dennoch gibt es natürlich triftige Gründe, weshalb Hacks diese formvernachlässigende Unmittelbarkeit gewählt hat. Sie liegen, wie immer, in der Zeit und im Personal. Normalerweise findet der Weltgeist auch in finsteren Zeiten Persönlichkeiten; bleiben die aus, können nur noch exekutive Handstreiche helfen. Aber durch wen? Die Hoffnung, mittels eines weiblichen Shdanow das Rad der Geschichte wieder ins Fortschrittsgleis zu bringen, ist vergeblich.

von Rayk Wieland (Leipzig)

17.00 Uhr

Es waren Strophen in klassischen Versmaßen, im Pionierliedton, im Sound Eichendorffs und mit donneskem Sarkasmus, die Peter Hacks mit Beginn des Jahres 1998 in „Konkret“ veröffentlichte. Die Rubrik nannte er „Jetztzeit“, ein pejorativer Pleonasmus, der den Livecharakter der Gedichte hervorhob und zugleich die Gegenwart, die Hacks schreibend ins Visier nahm, als bedauerliche Abweichung von der Norm des Weltgeistes zu kennzeichnen schien. Das Publikum der Zeitschrift reagierte überwiegend verständnislos.